Jeder kann singen! Hier finden Sie alles über Gesang und Stimmbildung.                                                                 
gefunden bei 
Jeder kann singen Ein gängiges Vorurteil ist, man brauche Talent um singen zu können. Natürlich ist hier ein besonderes Talent, wie bei vielen anderen Dingen auch, von Vorteil. Doch Gesang kann erlernt werden, oder genauer: Es ist möglich, die eigene Stimme zu trainieren und die entsprechenden Techniken zu erlernen. Ein verbreiteter Irrtum beruht darauf, dass man nach eigener Erfahrung bestimmte Töne nicht trifft, in anderen Tonarten endet, als man begonnen hat, und im Ensemble seine Stimme nicht allein durchzusingen vermag. Verbreiteter Stoßseufzer: „Ich kann halt nicht singen.“ Häufig wird hier allerdings die fehlende Gehörbildung mit der fehlenden Stimmbildung verwechselt. Nur durch stetiges Üben und Ausprobieren gelingt es in jungen Jahren, Gespür für Tonalität und Intervalle zu entwickeln. Wer diese frühe Förderung nicht in ausreichendem Maße erhalten hat, wird später mit dem Vorwurf konfrontiert, „nicht singen“ zu können, und gibt oft später demotiviert von alleine auf, diese Förderung nachzuholen. In sehr seltenen Fällen ist das Versäumte tatsächlich nicht nachzuholen, weil ein angeborener Defekt im Gehör vorliegt. Weitaus häufiger sind jedoch die oben genannten Fälle.
Betrachtung der physischen Vorgänge beim Singen Es ist ganz interessant, zu wissen, wie das Instrument Stimme eigentlich funktioniert, denn anders als ein anderes Musikinstrument kann es ja nicht betrachtet werden. Also: Die verschiedenen Töne, die wir beim Sprechen oder beim Singen produzieren, entstehen in einer Zusammenarbeit von Kehlkopf und Mund. Im Mund, d.h. mit Zunge, Lippen und durch die Stellung des Rachenraumes erzeugen wir die verschiedenen Klangfarben und natürlich die ganzen Knack- und Zischlaute, die die Konsonanten sind. Mit dem Kehlkopf bestimmen wir die verschiedenen Tonhöhen. Der Kehlkopf ist eine Art Ventil in der Luftröhre. Die Stimmbänder sind der Verschlussmechanismus, und man kann sie sich wie den „Eingang“ in einen Ballon vorstellen, den man mit den Fingern etwas auseinander zieht. Sie hängen also nicht irgendwie längs in der Luftröhre, wie man es sich aufgrund des Wortes „Bänder“ ja auch vorstellen könnte. Je mehr sie auseinandergezogen werden, desto dünner werden sie und desto höher ist deshalb der Ton, der erzeugt wird, wenn sie durch die ausströmende Luft in Schwingung versetzt werden. Für tiefe Töne müssen sie entspannt werden, und irgendwo gibt es da natürlich eine anatomische Grenze, wie weit das überhaupt möglich ist. Deshalb kann man den Tonumfang in die Tiefe durch Training nicht groß erweitern. In die Höhe geht es meistens irgendwie, wenn man Lust dazu hat, das systematisch zu trainieren. Der Kehlkopf ist übrigens nicht nur zum Töne machen da, sondern man braucht die Stimmbänder bzw. Stimmlippen, die da auch noch dazugehören, zum Verschließen der Luftröhre, 1. beim Schlucken von Nahrung, damit nichts in den „falschen Hals“ gerät; 2. zum Druckaufbau in den Lungen, was beim Heben von schweren Lasten helfen kann oder beim Geschäft auf der Toilette (und Frauen, die ein Baby geboren haben, wissen auch, wozu dieser Druck noch gut ist...); und 3. beim Husten, wo zuerst Druck erzeugt wird, der dann beim Öffnen des Kehlkopfes eine kleine „Explosion“, eben den Husten, verursacht. Und hilft, Fremdkörper bzw. Schleim aus den Atemwegen zu entfernen. Husten ist übrigens ein richtiger Stress für die Stimmbänder, sie können davon anschwellen. Genauso wie bei einer Halsentzündung (weshalb dann plötzlich nur noch tiefe Töne gehen...). Wenn es irgendwie geht, sollte man deshalb versuchen, wenn man erkältet ist und trotzdem singen muss, nicht zu husten, sondern den Schleim aus der Lunge und Luftröhre anders loszuwerden, z.B. mit Abklopfen oder durch geeignete Inhalationen (Erkältungsbad, Eukalyptus und dgl.). Die Ruhestellung des Kehlkopfes ist natürlich geöffnet. Atmen ist schließlich wichtiger als Schlucken! Heiser? Woher kommt das und was kann ich dagegen tun? Heiserkeit ist ein „Generalsymptom“ für alle möglichen Stimmprobleme. Es gibt einige schlimmere Probleme, wie die Lähmung einer Stimmlippe oder Knötchen auf den Stimmlippen, die dann operiert werden müssen. Die Knötchen können von übermäßiger Belastung kommen, doch das ist vermutlich eher ein Berufs- als ein Hobbysängerproblem. Zudem kommt es auch auf die Ansprüche an: Für einen Opernsänger liegt sowas natürlich nicht drin. Wer aber wie Janis Joplin oder Joe Cocker klingen möchte, dem wäre möglicherweise mit einer solchen Lähmung gar gedient...??? Die täte dann auch nicht dauernd weh, wie eine Halsentzündung, die ja meistens der Grund für die Heiserkeit ist. Die Stimmbänder und alles mögliche andere ist dann entzündet und geschwollen, also klingt es komisch oder gar nicht mehr richtig. Lutschtabletten und Gurgelmittel kommen leider nicht an die Stimmbänder ran, sondern nützen nur im Rachenraum. Heiserkeit kann auch von einer Überlastung der Stimmbänder kommen. Das Beste: Nicht singen, bis es wieder ok ist.
Vorsicht Stimmbänder können durch falsche Technik und übermäßige Belastung dauerhaft geschädigt werden. Als Anfänger und Autodidakt unbedingt behutsam mit der Stimme umgehen. Zu lautes Singen und Singen in Grenzbereichen (Höhen und Tiefen) auf ein Minimum reduzieren. Bei Schmerzen im Hals unbedingt die Stimme schonen!
Die richtige Haltung Der ganze Körper steht aufrecht, der Rücken ist gerade. (Weder Hohlkreuz noch Buckel.) Die Schultern werden entspannt hängen gelassen. Der Blick geht geradeaus und der Hals ist locker. Die Beine sollten etwa schulterbreit stehen und leicht gebeugt sein. Durchgedrückte Knie machen den ganzen Körper steif, und gerade beim Singen ist Schwingen und natürliche Flexibilität unumgänglich. Wichtig außerdem ist, dass man das Kinn weder in hohen Lagen nach vorne/oben streckt, noch in tieferen Lagen an die Brust zieht. Beides ist meist eine automatische Reaktion, sobald man mit diesen Tonlagen noch Schwierigkeiten hat, sollte aber unbedingt vermieden werden, da es auf den Kehlkopf drückt. Eher sollte man sich vorstellen, bei tieferen Lagen am Kopf nach oben, und bei höheren Lagen am Steiß nach unten gezogen zu werden. Übung Man beuge sich mit dem Oberkörper nach vorne und versuche die Zehen mit den Fingern zu berühren. Jetzt richte man sich langsam und fließend wieder auf, wobei man den Rücken Wirbel für Wirbel langsam aufrollt und zuletzt den Kopf wieder hebt. Sobald man wieder aufrecht steht, versucht man diese Position beizubehalten.
Atmung Zuerst einmal grundsätzlich: Wir alle können atmen, sonst wären wir ja nicht hier. Es geht im Folgenden nicht um Dinge, die von Grund auf neu gelernt werden müssten, sondern um ein paar gesangstechnische Raffinessen, die das Singen erleichtern können. Also um das Verbessern einer Technik, die wir alle im Prinzip bereits beherrschen. Menschen, die einem das Singen beibringen wollen, fordern einen gerne dazu auf, irgendwohin zu atmen, zum Beispiel "in den Rücken" oder "in die Flanken". Welchen Sinn hat das? Um gut singen zu können, braucht man genug Luft in den Lungen und muss in der Lage sein, sie gezielt und gut dosiert wieder von sich zu geben. Im Grunde ist Singen ein Atmen mit Ton. Die Tatsache, dass man beim Einatmen nicht (oder zumindest fast nicht) klingen/singen kann, führt allerdings dazu, dass beim Singen die Ausatmungsphase viel länger sein sollte als die Einatmungsphase. Dabei kann man mit der richtigen Technik etwas nachhelfen. Das Einatmen: Durch das richtige Einatmen wird das Volumen der Lunge optimal für das Singen genutzt; sprich, die Lunge wird mit dem Maximalvolumen an Luft gefüllt, um nachher möglichst lange und ausdrucksvolle Phrasen singen zu können. Das führt dazu, dass sich das Zwerchfell nach unten bewegt und die darunter liegenden Eingeweide werden nach unten gedrückt, oder nach außen. Sie müssen ja irgendwohin ausweichen und können dies in alle Richtungen, die nicht von Rippen begrenzt werden. Man kann deshalb die Atembewegung auf allen Seiten spüren, und das mal zu tun, soll helfen, wirklich tief einzuatmen. Auch die Vorstellung „Ich atme bis in den Rücken, die Füße, den Kopf...oder sonstwohin“, soll helfen, sich ganz locker zu machen und die Lungen möglichst weit werden zu lassen. Ob allerdings die Eingeweide eher nach vorne, nach hinten oder zur Seite ausweichen, ist nicht entscheidend. Man kann lernen, dies extra auf einer Seite zu tun, um dem Gesangslehrer eine Freude zu machen, aber für die Atmung verändert das kaum etwas. Diese Art zu atmen nennt man auch Bauchatmung. Wer mit eingezogenem Bauch oder verspannten Bauchmuskeln atmet, praktiziert hingegen die „Brustatmung“ - das Schreckgespenst aller Gesangslehrer. Oft heißt es, wer keine Singstunden genossen habe, würde stets nur flach brustatmen, also falsch. Und gelegentlich heißt es sogar, den Frauen sei es angeboren, so zu atmen. Das ist natürlich Unsinn. Spontan atmen die meisten Menschen gar nicht falsch (wir tun es ja schließlich seit unserer Geburt). Es ist nur so, dass viele Menschen beim Singen unter Leistungsdruck geraten und Lampenfieber haben. Das führt zum schreckhaften Einatmen mit verkrampftem Bauch und womöglich gar zum Luftanhalten. Dagegen hilft: Lange ausatmen. Entspannen. Gähnen. Lachen! (Zur Bemerkung über die Frauen und die Brustatmung: Vermutlich ist dies ein überliefertes Problem. Vor zweihundert Jahren schnürten sich die Damen der Oberschicht mit Korsetts derart ein, dass sie tatsächlich kaum mehr atmen konnten. Und ganz sicher nicht in den zusammengezurrten Bauch.) Wie auch immer: Aus diesem Grund ist Singen im Sitzen, mit zu engen Hosen oder in einer verkrümmten Haltung hinter der Gitarre eher schlecht, weil der Bauch nicht ausweichen und die Lunge sich deshalb nicht ganz füllen kann (und die Atemstütze mit den Bauchmuskeln nicht korrekt ausgeführt werden kann, doch dazu weiter unten). Wer gerne sitzt beim Singen, sollte einen Barhocker verwenden. Ausatmen: Bei der normalen Atmung fällt der Bauch beim Ausatmen passiv nach innen, während sich die Lungen wieder entleeren. Das geht relativ schnell. Wer nun lange Töne oder Melodien ohne Atmenpause singen möchte, muss diesen Vorgang etwas verlangsamen. Das tut man, indem man den Luftstrom mit dem Zwerchfell und den Bauchmuskeln so kontrolliert, dass nicht zuviel Luft auf einmal entweicht, und das dann auch noch schön regelmäßig. Dies heißt im Sänger-Jargon „den Ton stützen“. Stützen braucht Konzentration, Wachheit und eine gewisse Grundspannung. Wenn man zu müde ist, vergisst man es gerne. Das Singen wird dann weiter oben, für die Stimmbänder anstrengender, man wird eher heiser, und vor allem sinkt man in der Tonlage. Wenn das passiert, sollte man versuchen, sich besser zu konzentrieren oder eine Pause machen. Übrigens: Im Italienischen heißt diese Technik „appoggiarsi“, also „sich anlehnen, sich etwas entgegenlehnen“. Auch eine schöne Vorstellung dafür, die vielleicht etwas weniger anstrengend klingt als „stützen“ und darum zu mehr Lockerheit führen kann. Mittels Atemstütze soll die Lunge soweit wie möglich geleert werden, das letzte Quäntchen Luft soll genutzt werden, bis es nicht mehr weiter geht ... und das Schöne anschließend: Einfach aufmachen, und die Luft strömt von alleine wieder herein. So wird die Einatmungsphase schön kurz, und es kann gleich weiter gehen mit dem Singen.
Beispiele für Stimmbildungsübungen Beispiele für Stimmbildungsübungen Startseite Startseite Startseite Startseite